Fritz Henle

Autor(en): 
Fritz Henle: "Fritz Henle", Christiansted 1973

Die 24 Einzelblätter in dieser Kassette sind so etwas wie ein „best of“ Fritz Henles (1909-1993). Von daher dürften den meisten Interessierten einige der Aufnahmen bereits aus anderen Veröffentlichungen bekannt sein. Trotzdem hat die Zusammenstellung in dieser Form nicht zuletzt aufgrund der großformatigen Wiedergabe durchaus ihren Reiz. Außerdem wurden die Blätter bei C.J. Bucher in Luzern exzellent gedruckt. In diesem Verlag erschien zur gleichen Zeit auch die bekannte Zeitschrift „Camera“. Deren damaliger Chefredakteur Allan Porter steuert ein kurzes Vorwort bei, in dem er u.a  auf die Entscheidung Henles eingeht, mit Mittelformatkameras zu fotografieren.

Fritz Henle gibt in seinem in der beiliegenden Broschüre abgedruckten Text unter dem Titel „Reflections about his work by the photographer“ einen kurzen Abriss seiner Karriere als Fotograf. Und auch er geht dabei auf seine Wahl der Rolleiflex als Handwerkszeug ein. Ausführlich erzählt er vom Erwerb seiner ersten Kamera dieser Marke. Einige Jahre arbeitete Henle für das amerikanische Magazin Life. Stolz berichtet er, dass er dabei zusammen mit Alfred Eisenstaedt, welcher eine Leica nutzte, Neuland im Bereich der Modefotografie betrat, indem sie die Models aus den Studios holten und die größere Beweglichkeit bei der Arbeit mit den (im Vergleich zu den großen Studiokameras) kleinerformatigen Kameras nutzten.

Mr. Rollei

Die enge Verbindung zur Firma Rollei kommt auch durch den Aufdruck des Firmennamens auf der Kassette zum Ausdruck. Fritz Henle war damals auch als „Mr. Rollei“ bekannt. Eines seiner erfolgreichsten Bücher, in dem er anhand zahlreicher Bildbeispiele Tipps zu den verschiedensten fotografischen Themen gibt, heißt denn in der deutschen Ausgabe auch „Mit den Augen eines Rolleigrafen“.

Fritz Henle erwähnt in seinem Text die enge Zusammenarbeit mit Alexei Brodovitch für Harper's Bazaar. Diese fand auch in der Publikation zweier Mitte der 1940er erschienener Bücher über Paris und Mexiko ihren Niederschlag. Diese beiden Publikationen wurden von Brodovitch gestaltet.

Die für die Kassette ausgewählten Bilder sind nicht chronologisch geordnet. Wobei die Reihenfolge der 24 lose beiliegenden Drucke durch den Betrachter natürlich sowieso jederzeit geändert werden kann. Henle ordnet die Bilder für seinen erklärenden Kommentar unter dem Titel „Notes on the Photographs“ aber in einer Weise, die es ihm erlaubt neben den technischen Angaben, die er zu manchen der Aufnahmen macht, auch locker über die Entwicklung seiner Karriere und die besonderen Situationen der Entstehung der Fotografien zu plaudern. Abgedeckt werden sowohl durch die Bilder als auch den Text viele wichtige Stationen der Karriere Henles, die sich anhand seiner Buchveröffentlichungen ebenfalls nachvollziehen lässt. In der Kassette sind einzelne der aus den 1930er Jahren stammenden Fotografien aus Italien oder Paris genauso zu finden wie Aufnahmen von seinem späteren Lebensmittelpunkt, den Virgin Islands, oder Porträts. 

Um den Eindruck der Wertigkeit der vorliegenden Publikation zu erhöhen, sind alle Blätter unterhalb der Bilder mit einer Zeile versehen, welche den Bildtitel, das Entstehungsjahr der Aufnahme und die Signatur Henles zeigt. Natürlich ist diese Eintragung nicht wirklich handschriftlich erzeugt, sondern wurde auf die Blätter aufgedruckt. Auch die auf die Frontseite der Kassette geprägte und mit silberner Farbe versehene Schrift trägt zum „auf edel“ getrimmten Gesamteindruck bei.

Summe des Lebenswerks

Dass die hier vorgestellt Kassette auch mit anders gestaltetem Leinenbezug ausgeliefert wurde, kann man auf den Internetseiten des Harry Ransom Centers der University of Texas at Austin sehen, das zu einer Ausstellung im Jahr 2009 einige nützliche Informationen zur Verfügung stellte. Eine Auswahl von Buchcovern der Werke Fritz Henles, darunter auch die Variante der besprochenen Kassette finden Sie hier

Immer wieder ein Problem mit den losen Blättern in einer Kassette wie dieser ist, dass eventuell einzelne der Blätter fehlen, da sie als Wandschmuck gerahmt oder anderweitig entfernt werden bzw. verloren gehen. Leider ist das auch bei meinem Exemplar der Fall. Eine der Aktaufnahmen unter dem Titel Torso fehlt in der Zusammstellung. Auch in diesem Genre der Fotografie war Henle aktiv, der überhaupt ziemlich vielseitig arbeitete. Ein Buch wie „Fritz Henle's Figure Studies“, das in unterschiedlichen Auflagen erschien, legt davon Zeugnis ab. Modell stand ihm für dieses Buch, wie für manche der Aktfotografien in der Kassette, seine Ehefrau Marguerite. Henle erwähnt sie in seiner kurzen Danksagung zu Beginn und dankt dort auch seinem Sohn Jan für die Mitarbeit am Layout.

Eines der zuletzt entstandenen Bilder in der Kassette ist ein Porträt des berühmten Cellisten Pablo Casals, das ihn bei sich zuhause beim Üben zeigt. Henle arbeitete, als die Kassette erschien, die so etwas wie die Summierung seines damaligen Lebenswerks darstellt, an einer Serie über diesen Musiker. Als Buch erschienen die Aufnahmen für dieses Projekt schließlich im Jahr 1975. Casals steuert aber zur Kassette für die beiliegende Broschüre bereits einen kurzen Absatz mit lobenden Worten zur künstlerischen Arbeit Henles bei.

 


 

Fakten:

 

Fritz Henle: „Fritz Henle“, Christiansted, 1973

Fritz Henle Publishing

mit braunem Leinen bezogene Kassette mit 24 S/W-Drucken im Format 30,5 cm x 30,5 cm, Broschüre mit 18 Seiten im gleichen Format